28.Apr

Weltmeisterschaft VG8 in Homestead südlich von Florida

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Ungewöhnlich früh vom 07. bis 16. April fand in diesem Jahr die im 2-Jahresrhythmus ausgetragene Weltmeisterschaft in der Königsklasse des RC-Modellrennsports in Homestead vor den Toren Miamis im Süden Floridas statt. Die Rennstrecke war auf dem Areal des Homestead Raceways gelegen und befand sich damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer 1:1 Rennstrecke auf der normalerweise die NASCAR-Boliden ihre Runden durch die Steilkurven des Ovals drehen. Typisch amerikanisch präsentierte sich die Strecke dann auch als sogenannte „Bretterbahn“ und entsprach demnach nicht dem, was man in Europa unter einer hochwertigen von Rasenflächen umgebenen Rennstrecke mit den dazugehörigen weiteren Einrichtungen verstehen würde. Dennoch war der ausrichtende Club bemüht eine gute Veranstaltung auf die Beine zu stellen, doch eine arg begrenzte Manpower, sowie das Desinteresse des amerikanischen Dachverbands ROAR und auch die etwas lieblose Behandlung dieses Events durch den Weltverband IFMAR ließen an vielen Stellen den Glanz und den einer WM angemessenen Stellenwert vermissen. Zunächst war die Veranstaltung mit der maximal möglichen Teilnehmerzahl von 150 Fahrern auch voll ausgebucht, doch beim offiziellen Beginn nahmen dann lediglich 127 Fahrer am Rennen teil, was einen neuen Negativrekord darstellte. Trotz allem war diese WM hochkarätig besetzt und nicht nur der neunmalige Titelgewinner Lamberto Collari aus Italien wurde als Mitfavorit auf den WM-Titel gehandelt. Ebenfalls hoch im Kurs stand bei den Experten der deutsche Mugen-Konstrukteur und Werksfahrer Robert Pietsch, sowie die japanischen Asse Atsushi Hara, Takaaki Shimo und Keisuke Fukuda. Auch den amerikanischen Top-Piloten Ralph Burch und Mike Swauger räumte man realistische Chancen ein und nicht zuletzt rechnete man mit einigen der italienischen Vollgasartisten wie Dario Balestri, Daniele Ielasi und Alberto Picco, der seine Teilnahme jedoch aus familiären Gründen kurzfristig absagen musste. Ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen nicht am Start war Exweltmeister Adrien Bertin aus Frankreich.

Das Finale versprach große Spannung, war doch von vornherein klar, dass bei den fahrerischen Qualitäten, das Endergebnis letztendlich stark von der Strategie geprägt sein würde. Robert Pietsch legt einen sauberen Start hin und kann sofort die Führung übernehmen, Dario Balestri folgt ihm jedoch wie ein Schatten und kann mit etwas kleineren Reifen bald am Führenden vorbeiziehen. Es zeigt sich, dass Balestri offenbar drei Reifenwechsel plant und mit kürzeren Tankintervallen unterwegs ist. Pietsch fährt längere Intervalle und hat vor nur einmal die Reifen zu wechseln. Im Prinzip müssen hier die letzten Minuten die Entscheidung bringen. Hara fährt ein tolles Finale und ist stets in der Spitzengruppe zu finden, kann das Tempo ganz vorne jedoch nicht mitgehen. Ebenfalls taktisch klug agiert Shimo, der auch recht lange Tankintervalle fährt und sehr reifenschonend um den Kurs rollt und mehrfach bis an Position 2 vordringen kann. Gar nicht erst zum Start kommt Paul Lemieux, der sein Fahrzeug schon in der Vorbereitungszeit mit einem Defekt am Lenkservo abstellen muss. Ein unauffälliges Rennen fährt Robin D’hondt, dem es ein wenig an Motorleistung mangelt, der sich jedoch keine Fehler erlaubt und am Ende mit dem tollen 7. Platz belohnt wird. Innerhalb der letzten 15 Minuten spitzt sich die Lage zu. Pietsch führt, aber Balestri ist auf frischen Reifen und mit einem bärenstarken Motor durchaus in Reichweite des Leaders und macht langsam Boden auf ihn gut. Die Spannung steigt, aber Pietsch fährt mit kühlem Kopf offenbar unbeeindruckt sein Rennen. Dann fallen die ersten Regentropfen und laut IFMAR-Reglement muss das Finale bei einsetzendem Regen abgebrochen werden, was der Rennleiter dann nach 47 Minuten auch unmittelbar tut. Zuerst ist die Lage etwas undurchsichtig und kaum einer realisiert die Situation. Als Robert Pietsch dann jedoch von Dallas Matthiesen noch auf dem Fahrerstand den Siegerpokal überreicht bekommt, bricht lauter Jubel los. Pietsch kann sein Glück kaum fassen und ist vollkommen überwältigt. Balestri wähnt sich als Vizeweltmeister und Fukuda auf Platz drei. Diese beiden Positionen müssen jedoch später aufgrund eines Synchronisierungsproblems des Zeitnahmecomputers getauscht werden. Somit wird Robert Pietsch der erste deutsche Weltmeister in der Klasse VG8 und setzt damit auch die Erfolgsstory des von ihm selbst konstruierten Mugen Seiki MRX5 fort. Mugen ist mit 5 Fahrzeugen im Finale und Keisuke Fukuda als Vizeweltmeister ohnehin der große Gewinner dieses Rennens. Eine ereignisreiche und anstrengende WM geht schließlich bei der abendlichen Siegerparty im Champion’s Club der nahe gelegenen NASCAR-Rennstrecke zu Ende. Robert Pietsch hat auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz realisiert, welch großartige Leistung er vollbracht hat und wird noch einige Zeit brauchen, um dieses Ereignis zu verarbeiten.

RMV-Deutschland

Weltmeisterschaft der Königsklasse VG8

Ergebnis/Result
Pos.Fahrer/DriverLa./Con.Auto/CarMotor/EngineReifen/TyresR.Zeit/Time
1.Robert PietschNovarossi16747:06.695
2.Keisuke FukudaNovarossi16646:53.593
3.Dario BalestriCapricornNovarossi16647:00.352
4.Takaaki ShimoKyoshoOS16647:02.751
5.Atsushi HaraOS16647:09.161
6.Shinya ShimazakiNovarossi15147:11.611
7.Robin D’HondtMotonicaGi-Mar14547:15.396
8.Simon KurzbuchShepherdMax14447:07.745
9.Takehiro TerauchiNovarossi8523:57.205
10.Paul LemieuxXrayMax000:00.000

Quelle … Rennbericht: Dieter Fleischer sowie auch Rennbilder: Nitro-West

Beobachtungen des Wochenendes in eigener Sache: Im Vorfeld wurde durch die EFRA und einige andere Dachorganisationen auch an deren Fahrer die unmissverständliche Warnung des Weltverbands IFMAR übermittelt, dass jeglicher Gebrauch von Reifenhaftmitteln bei dieser WM streng bestraft und mit einer Sperre für den entsprechenden Fahrer geahndet würde. Da der Nachweis von Reifenhaftmitteln jedoch schwierig ist, wurden zusätzlich zu Tests mit einem „Schnüffelgerät“ bei konkretem Verdacht bereits im kontrollierten Training die Reifen der Fahrzeuge beim Betreten der Vorbereitungszone vor der Boxengasse mit Alkohol besprüht, was die Wirkung evtl. verwendeter Haftmittel neutralisieren sollte. Dies schien grundsätzlich auch zu funktionieren und wie sich dann schnell zeigte, hatte dieses Verfahren besonderen Einfluss auf die Rundenzeiten der amerikanischern Fahrer, die sich dadurch deutlich verlangsamten, während sich bei den meisten anderen Teilnehmern keine sichtbaren Veränderungen ergaben. Die Amerikaner akzeptierten dieses Verfahren zwar grundsätzlich zähneknirschend, waren jedoch ganz offensichtlich nicht glücklich über die neue Situation und beriefen sich darauf, dass das bis vor kurzem im IFMAR-Reglement vorhandene Passus zum Verbot von Haftmitteln aktuell dort nicht zu finden sei. Zwar wurde durch das Besprühen der Reifen die Wirkung des Haftmittels ganz offensichtlich aufgehoben oder reduziert, zum anderen aber klagten nun viele Fahrer darüber, dass sich vermehrt die Klebenähte der Reifen auflösten, was man der Wirkung des Alkohols zuschrieb. Vor dem Start des ersten Vorlaufdurchgangs kam es damit zum Eklat, denn speziell die iatlienischen Fahrer waren nun nicht mehr mit dem Besprühen der Reifen mit Alkohol einverstanden und forderten dieses Verfahren aufzuheben. Die Folge war, dass die Veranstaltung erst einmal gestoppt wurde und sich die Blöcke zu diesem Thema berieten. Das Ergebnis der Beratungen war, dass die EFRA forderte, dass fortan nur noch neue Reifen in einem kontrollierten Bereich unter Aufsicht geschliffen werden durften, dann in Tüten verpackt und den Mechanikern erst beim Betreten der Boxengasse ausgehändigt werden, damit jeglicher Betrug ausgeschlossen wäre. Ansonsten drohte ein Boykott. Eigentlich nur die Amerikaner waren strikt gegen diesen Vorschlag, akzeptierten ihn aber letztendlich vor dem Hintergrund eines Boykotts dann doch und die Veranstaltung war gerettet.

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28.04.2011 von admin Zurück

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