31.Mai

Europameisterschaft-B 1:8 OnRoad in Thionville – Frankreich

0

Endlich war es soweit, vom 21. bis 26. Mai 2012 war der Modell Auto Club Thionville in Frankreich der Austragungsort der diesjährigen Europameisterschaft der B-Lizenz Fahrer. Die Wettervorhersage war einfach grandios und bei Temperaturen zwischen 22 und 29 Grad war der Grundstein gelegt um aus den besten zehn Fahrern im abschließenden Finale den neuen Europameister zu küren. Wir trafen bereits am frühen Sonntagnachmittag an der Strecke ein. Zu unserem Erstaunen war die Rennstrecke wesentlich größer, als die Bilder im Internet erahnen ließen. Schon jetzt sah man, daß die Strecke dem Fahrer alles abverlangen würde und dass Motorleistung alleine zum Sieg nicht reichen würde. Nach der Streckenbesichtigung fuhren wir zum nahgelegenen Campingplatz wenige Meter an der Mosel gelegen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat es dann heftig Gewittert, sodass morgens nicht trainiert werden konnte. Es sollte der letzte Niederschlag dieser Woche sein. Wir entschieden uns am Montag nicht zu trainieren und verbrachten den Abend im nahgelegenen Stadtkern. Dieser bestach durch tolle alte Gebäude und einer tollen Bepflanzung. Die Stadt zeigte sich in den ersten Sommertagen von seiner bunten Seite, jeder Kreisverkehr und fast jedes Stück Grün wurde bepflanzt. Auch der Park Napoleon ist einen Besuch wert.

Thilo Tödtmann´s Mugen Seiki MRX-5 powered by RB CXR
 
Am Dienstag startete dann auch für uns die Europameisterschaft. Trainiert wurde mit einer Karte, jeder Teilnehmer konnte diese an eine Tafel hängen und einen Trainingsplatz reservieren. Soviel in der Theorie. Faktisch war das Traingsboard den ganzen Tag fast restlos ausgebucht und man musste sich nach Verlassen des Fahrerstandes sofort `Einhängen` um sich eine Trainingsmöglichkeit in 2 bis 3 Stunden zu sichern. Jeder Fahrer konnte so täglich 2 bis 4 Trainingsdurchläufe á 10 Minuten absolvieren, denn es galt, die Mittagspause von 2 Stunden einzuhalten.

Wie zu erwarten, wurde von dem Einsatz von Haftmittelmaschinen reger Gebrauch gemacht. Die Strecke war noch nicht präpariert worden und so hatte ich mit unbehandelten Reifen nur wenige Chancen die Zeiten des vorderen Feldes mitzugehen. Wir entschieden uns dafür, auch ein paar Reifen fertig zu behandeln und am Mittwoch, im letzten freien Trainingsdurchlauf, indem die 3 schnellsten zusammenhängenden Runden gewertet wurden, konnte ich den 12. Platz erreichen. Wir waren zufrieden, denn nie zuvor hatten wir mit Haftmittel testen können und man musste sich erst an das aggressive Fahrverhalten gewöhnen.

Am Donnerstagmorgen wurde die Strecke durch eine Kehrmaschine mit Haftmittel bestehend aus Zuckerwasser und Trackmax geflutet und es dauerte bis zur Mittagspause, bis die Strecke wieder die Zeiten des Vortages erreichte. Erst nach der Mittagspause gab es weitere Trainingsläufe und der Griff nahm deutlich zu. Langsam fand ich mich mit den Gegebenheiten auf so einem Großevent zurecht und konnte mir mit dem 14. Platz einen Platz in der zweitschnellsten Vorlaufgruppe sichern. Der erste von 5 Vorläufen war noch für denselben Abend geplant. Mein Ziel war es, im ersten Vorlauf auf dem sehr anspruchsvollem bergauf/bergab mit seinen schnellen Kurven einen sauberen fehlerfreien Lauf zu fahren. Der Streckenverlauf verleitet dazu, die Kurven etwas anzuschneiden, was mit einem Ausflug ins Grün oder den extra aufgestellten Fangzaun enden würde. Der erste Vorlauf lief zufriedenstellend. Gleich in der ersten Runde leistete ich mir eine Unaufmerksamkeit und schob meinen Mugen gleich zweimal durch die Wiese. Die restlichen Runden liefen fehlerfrei ab und ich fuhr 27 Runden und 9 Sekunden was für mich einen 5. Platz bedeutete. Ein besonderer Dank gilt hier meinem Pitman und gutem Freund Sebastian `DJ Mole` Scheidweiler, der mich seit meinem Einstieg im letzten Jahr tankt. Er behält die Ruhe in Situationen in denen ich die Nerven verliere und hat so einen erheblichen Mitverdienst.

Ein besonderer Dank gilt meinem Pitman Sebastian `DJ Mole` Scheidweiler
 
Ich war wieder einmal begeistert von meinem Paket aus dem Mugen MRX5 und dem RB CXR Motor, denn trotz der ungewohnten hohen Griffverhältnisse haben wir nur sehr wenige Veränderungen am Fahrzeug machen müssen. Zurück am Campingplatz wagten wir nun den ersten Blick in meinen Motor, da dieser nach einer ausführlichen Einlaufphase bereits den EFRA GP in Österreich und das Trainingspensum über sich ergehen lassen musste. Wir entschlossen uns, zur Sicherheit das Pleul zu tauschen und auch eine neue Kerze zu verwenden.

An dieser Stelle ein Dank an die zweite Person die mich auf diesem Rennen begleitet hat. Jean-Pierre Rönicke war für dieses Wochenende trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen mit dabei und stellte – wie so oft – meine Motoren perfekt auf die Gegebenheiten ein. Ein Aufgabengebiet, dass es für mich noch zu erlernen gilt. Weiter stand JP mir mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum ging, Ideen für eventuelle Setup-Änderungen zu besprechen.

Am Freitag wurde es ernst, wir entschlossen uns, den Ausfederweg der Vorderachse zu verändern und waren gespannt, wie sich diese Änderung auf die Rundenzeiten auswirken würde. Der 2. Vorlauf lief reibungslos, das Auto fühlte sich super an und war, den Umständen entsprechend, einfach zu fahren. Es gelang mir, meine Zeit um weitere 3 Sekunden zu verbessern. Auch die Pitstops von rechts kommend (es wurde mit dem Uhrzeigersinn gefahren) gelangen zunehmend besser. Trotz der Verbesserung verschlechterte sich meine Position auf Rang 8, da die Spitze am Vortag keinen sauberen Lauf geschafft hatte.

Im 3. und 4. Vorlauf schlichen sich beidemal kleine Fehler ein, in beiden Vorläufen hatte ich eine Rundenprognose von 28 Runden was für mich eine Platzierung unter den ersten 4 bedeutet hätte. Doch kurz vor Schluss verlor ich die Kontolle über meinen Mugen MRX5. Zwar ohne Schaden, doch mit Zeitverlust. Hier merkte ich die fehlende Routine, denn auf so einer Veranstaltung geht es heiß er, es wird in den verschiedensten Sprachen geschrien und die Lautstärke und der Druck sind groß. Trotzdem lief auf der Strecke alles sportlich ab und die Rennleitung hatte ein gutes Auge auf Fahrer, die zu übermotiviert in ein Überholmanöver gingen.

Der Mugen MRX-5 kurz vor seinem Abflug ... er  fliegt und fliegt!
 
Im 5. und letzten Vorlauf war die Temperatur des schwarzen Asphalts sehr hoch und die Zeiten waren nichtmehr so gut wie im Laufe des Tages. Viele Reifen ließen hier nach und die Verklebung riss unter der enormen Belastung. Trotzdem kam mein Mugen mit den RB Speedline Reifen auch damit gut zurecht und ich war wieder auf dem Weg meine Zeit noch einmal zu verbessern. Bei der Boxenausfahrt jedoch musste ich einem liegengebliebenen Fahrzeug ausweichen und steckte kurz im Gras. Ein Fehler welcher mich um meine direkte Teilnahme im Halbfinale zittern ließ. Am Ende jedoch zu Unrecht, denn auch ohne Verbesserung konnten nur 2 Fahrer an mir vorbeiziehen und ich beendete die Vorläufe auf dem 10. Platz.

Am Samstag schliefen wir lange und verließen schon mit Wohnwagen den Campingplatz. Wir trafen um 10 Uhr an der Strecke ein auf der bereits die unteren Finale im vollen Gange waren. Mein Finale sollte erst um 14:20 starten und wir hatten genug Zeit mein Auto genauestens auf das 20 minütige Halbfinale vorzubereiten. Wir wechselten die Riemen und verbauten neue Riemenräder. Auch der RB CXR Motor, der das ganze Wochenende problemlos lief, bekam seine 2. Kerze – bloß kein Risiko eingehen.

Um 14:25 war es dann soweit, start des Halbfinales. Gestartet wurde im Lemans-Verfahren, das bedeutet, alle Fahrzeuge stehen an der Seitenlinie und starten hintereinander. Ein Verfahren welches sich bewährt hat, den so können nicht-anfahrende Fahrzeuge die anderen nicht aufhalten und schwere Start-Crash werden vermieden.

Enttäuschung steht ihm im Gesicht: RMV-Teamfahrer Thilo Tödtmann
 
Der Start von Platz 5 gelang gut, auch das jetzt kein Haftmittel mehr verwendet wurde, bemerkte man nicht, schließlich war der Grip und die Reifen jetzt wesentlich höher. Schon nach der 2. Kurve konnte ich mich neben dem Niederländer John Ermen (ebenfalls mit RB CXR Power unterwegs), welcher als Mitfavorit in Frankreich war, auf Position 3 setzen. Um einen Crash auf jeden Fall zu entgehen, entschlossen wir uns beide genügend Platz zu lassen, um gemeinsam durch die Kurve 3 und 4 zu kommen. Leider schob sich ein hinteres Fahrzeug zwischen uns und schnitt die nächste Kurve zu eng an. Er flog über uns hinweg in das Führungsfahrzeug. John machte auf der Geraden bereits mächtig Druck und ließ keinen Zweifel daran, daß er an diesem Tag als neuer Europameister nach Hause fahren möchte. Ich ließ ihn vorbei, denn ich wollte den Aufstieg ins Finale auf keinen Fall gefährden. Einige kleine Fahrfehler und ein Missverständnis mit einem überrundeten Fahrzeug kosteten mich 2 weitere Plätze. Doch auch auf Rank 4 war mir die Teilnahme am Finale sicher. Die ersten Tankstops liefen reibungslos und mein Helferteam aus Sebastian und Jean-Pierre gaben mir zu verstehen, daß es galt das Halbfinale fehlerfrei zu beenden, denn ich konnte mir bereits einen 6 Sekunden Vorsprung auf den 5. Platzierten herausfahren. Auf einmal dann die Katastrophe, der hintere obere Querlenker löste sich vom Achsblock. Ein Teil, welches ich seit 2 Rennen nicht verändert hatte rappelte sich los.

Link: >> Ergebnisse Europameisterschaft-B <<

Meine Träume an einer Finalteilnahme erfüllten sich nicht, denn die Reparatur warf mich 10 Runden zurück. Am Ende wurde es ein 16. Platz. Ein Ergebnis mit dem man durchaus zufrieden sein darf. Trotzdem, ein kleines bisschen Enttäuschung machte sich schon breit. Den wie besagte der Spruch auf dem T-Shirt eines Teilnehmers aus England: „to finish first, you first have to finish“.

Quelle … Rennbericht: Thilo Thödtmann sowie Rennbilder: Nitro-West | Dieter Fleischer

{lang: 'de'}
31.05.2012 von admin Zurück

Hinterlasse einen Kommentar

 

    Fan Page