15.Okt

Saisonrückblick 2014 mit Robert Pietsch

4

Für den Mugen/Contact-Werksfahrer und VG8-Weltmeister 2011 dürfte die zurückliegende Rennsaison eine der erfolgreicheren gewesen sein, konnte er sich doch bei der EM VG8 mit Position drei einen Platz auf dem Podium sichern und bei den etwas kleineren 1:10-Fahrzeugen sogar den Titel des Europameisters erkämpfen. Aber auch bei der Deutschen Meisterschaft VG8 präsentierte sich Robert in einer unschlagbaren Form und sicherte sich wie selbstverständlich auch diesen Titel. Ein ähnlich gutes Ergebnis wurde bei der Deutschen Meisterschaft VG10 nur durch den einsetzenden starken Regen verhindert, als Robert auf einen Start im Halbfinale verzichtete. Diese beeindruckende Bilanz der Saison 2014 wird abgerundet durch einige weitere Podiumsplatzierungen und Siege bei Läufen zur ENS (European Nitro Series). Neben den überzeugenden Ergebnissen gab es für den Ausnahmepiloten aus Traunstein aber auch noch andere freudige Ereignisse. Neben der Geburt seines Sohnes wäre in diesem Zusammenhang das sehr erfolgreiche Debüt des von ihm konstruierten Nitro-Tourenwagens Mugen MTX-6 zu nennen, mit dem Robert in überragender Manier die Europameisterschaft EFRA-A in Almusafes/Spanien gewann.


 
Grund genug also für RMV Deutschland einige Fragen an den weltweit momentan wohl besten VG-Piloten und Konstrukteur der VG-Fahrzeuge von Mugen Seiki zu stellen.

RMV: Robert, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner wirklich beeindruckenden Saison. Wir konnten ehrlich gesagt nur staunen, mit welcher offensichtlichen Leichtigkeit du diese hervorragenden Ergebnisse erzielt hast. Oftmals kam das Gefühl auf, dass du in einer eigenen Liga fährst. War es wirklich so einfach, wie es von außen den Anschein hatte?

R.P.:Ich denke es hat das ein oder andere Mal von außen vielleicht so ausgesehen, aber einige Rennen waren fahrerisch sehr stark besetzt und wirklich schwer, wie z.B die Läufe zur ENS in Melzo, bzw. in Hockenheim.
Zu dem für mich zweifellos sehr erfolgreichen Saisonverlauf hat aber ganz sicher auch beigetragen, dass ich mit meiner persönlichen Situation momentan sehr zufrieden bin und nach den Erfolgen der letzten Jahre weiß, dass ich niemandem mehr etwas beweisen muss. Dieser Umstand macht es an vielen Stellen doch sehr viel einfacher locker und entspannt an den Start zu gehen. Darüber hinaus hat sich die Atmosphäre bei den Rennen in diesem Jahr ebenfalls deutlich verbessert und mir hat es insgesamt viel Spaß gemacht.

RMV: Du bist als akribisch arbeitender Perfektionist bekannt, der an der Rennstrecke jederzeit hochkonzentriert zu Werke geht. Welchen Stellenwert haben deiner Meinung nach eine gute Vorbereitung und ein strukturiertes Vorgehen bei der Fahrzeugabstimmung, bzw. welche anderen Faktoren sind wichtig, um im harten Wettbewerb erfolgreich sein zu können?

R.P.: Wenn man sich nicht ordentlich vorbereitet, kann man nicht erfolgreich sein! Es ist extrem wichtig, ein Setup mit Struktur herauszuarbeiten und zu erkennen, ob ein Zeitunterschied am Setup liegt oder daran, dass sich die Verhältnisse geändert haben. Ebenso bin ich der Meinung, dass man nie zu 100% gleich fährt und sich allein dadurch Zeitunterschiede in beide Richtungen ergeben können, wodurch man dann auch schnell einmal in die falsche Richtung arbeiten kann.

RMV: Seit Saisonbeginn setzt du nun Picco-Motoren ein und bei den größeren Events ist Edoardo Picco dein Mechaniker. Wie würdest du den Unterschied zu den von dir vorher verwendeten Novarossi-Motoren beschreiben und wie klappt die Zusammenarbeit mit „Edo“?

R.P.: Nachdem ich ja einige Jahre mit Novarossi-Triebwerken gefahren bin und ich speziell im letzten Jahr nicht mehr zu 100% zufrieden war, suchte ich nach etwas Neuem. Es boten sich mir einige Möglichkeiten, aber die Entscheidung für Picco erschien mir als die sinnvollste. Letztendlich ausschlaggebend war dann jedoch die Tatsache, dass mir bewusst war, dass Edo einer der besten Mechaniker auf diesem Planeten ist und es einfach extrem wichtig ist, sich auf einen guten Helfer verlassen zu können. Darüber hinaus hatte ich ja bisher mit Felix immer einen Top Mechaniker dabei und wusste, dass Edo diese Lücke würde füllen können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich, dass Edo als Hersteller an der Strecke direkt in verschiedene Dinge mit eingebunden ist. Ich war auf jeden Fall überrascht, wie gut die Motoren vom Start weg funktionieren. Bis jetzt gab es keinen Grund sich über die Leistung zu beschweren und Fahrzeiten von 5 Minuten mit einer Tankfüllung waren auch nie ein Problem. Dies zeigt, dass sich die bei Picco in den letzten Jahren in neue Maschinen gemachten Investitionen auszahlen und man offenbar alles richtig gemacht hat.

RMV: Der Mugen MRX-5 ist mittlerweile seit seiner Markteinführung in fast unveränderter Form eines der leistungsfähigsten und beliebtesten Fahrzeuge in der Klasse VG8. Was glaubst du, ist der entscheidende Punkt, der dieses RC-Car zu einer derart überlegenen Konstruktion macht?

R.P.: Ich denke der MRX5 ist immer noch erfolgreich, weil einerseits das Design stimmt, aber auch die Qualität der einzelnen Teile auf einem sehr hohen Niveau ist. Ich habe in der letzten Zeit einige Mugen-Fahrer zu anderen Marken wechseln sehen, die schlussendlich aber wieder zum MRX-5 zurück gekommen sind. Das freut mich natürlich sehr und insbesondere dieser Umstand zeigt ganz deutlich, wie gut der MRX-5 letztendlich ist. Grundsätzlich braucht man zwar immer ein wenig Zeit, um sich auf ein neues oder anderes Fahrzeug einzustellen, doch mittlerweile sollte es für jeden Fahrertyp ein brauchbares Setup für den MRX-5 geben. Das der MRX-5 aber auch ein paar Schwächen hat, ist uns durchaus bewusst und wir arbeiten bereits daran diese auszusortieren.

RMV: Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten und der Nachfolger des Mugen MRX-5 steht bereits in den Startlöchern. Wie macht man ein bereits überragendes Fahrzeug noch besser, bzw. wie bist du innerhalb deines Aufgabenbereichs an dieses Thema heran gegangen?

R.P.: Wie schon gesagt, wir wissen um die Schwächen des MRX-5 und arbeiten daran. Ebenso gibt es einige Bereiche, in denen wir auch schon beim MTX-6 dazu gelernt haben. Das wird sich auch auf den Nachfolger des MRX-5 auswirken.

RMV: Im Vergleich zum MRX-5 gab es beim 1:10 Nitro-Tourenwagen MTX-5 ein paar offensichtliche Schwachstellen zu beseitigen und Mugen Seiki hat vor kurzem mit dem MTX-6 einen in vielen Bereichen überarbeiteten Nachfolger präsentiert. Was kann das neue Auto besser?

R.P.: Der MTX-6 wurde in mehren Bereichen überarbeitet (Performance, Haltbarkeit, Servicefreundlichkeit). Das Auto eignet sich jetzt besser für ambitionierte Fahrer, wie auch für reine Hobbyfahrer. Ich freue mich sehr, das ich bis jetzt nur positives über den MTX-6 gehört habe und sehe bereits einigen Zuwachs in der Gruppe der MTX-6 Fahrer. Aufgrund der Probleme beim MTX5, die hauptsächlich bei Hobbyfahren aufgetreten sind, hat Mugen Seiki das Testverhalten bei den Prototypen ein wenig verändert, was meiner Meinung nach sehr wichtig war. Der MTX-5 wurde lediglich von Profis getestet, die in der Regel überwiegend neue Teile verwendet haben. Somit sind keine Probleme aufgetreten. Die Prototypen des MTX-6 wurden nun jedoch auch von Fahrern getestet, welche diese Probleme hatten. Ich denke der MTX-6 ist jetzt ein Top-Auto das wir auch weiterhin verbessern wollen. Wir werden z.B. für die WM auch wieder neue Teile testen.

RMV: Deine jüngsten Erfolge mit dem MTX-6 haben gezeigt, dass sich dieses Fahrzeug vom Potenzial her absolut auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bewegt. Welche besonderen Tipps würdest du aus deiner bisherigen Erfahrung den MTX-6 Piloten an die Hand geben, bzw. worauf sollten sie besonders achten?

R.P.: Mein Tipp an alle Fahrer des MTX-6 ist zunächst einmal sehr simpel: Man sollte in jedem Fall die Bauanleitung sorgfältig zu lesen und ihr folgen, dann gibt es in der Regel keinerlei Probleme und das Auto funktioniert auf Anhieb. Die Erfahrung zeigt mir, dass es offenbar eine weit verbreitete Unsitte ist, sich die Anleitung nicht sorgfältig genug anzuschauen, was dann oft zu Problemen und Unzufriedenheit führt. Auch sollte man sich die regelmäßig nach größeren Rennen auf mugenseiki.co.jp veröffentlichten neusten Setups anschauen.

RMV: Du hast dich selbst einmal als „Schönwetterfahrer“ bezeichnet. Warum lehnst du Regenrennen ab und bist z.B. bei der Deutschen Meisterschaft VG10 beim einsetzenden Regen nicht mehr an den Start gegangen?

R.P.: Ich würde nicht sagen das ich Regenrennen grundsätzlich ablehne, denn in Österreich beim total verregneten Lauf zur ENS bin ich ja auch gefahren. Ich muss leider einräumen, dass ich in Türkheim einfach nicht entsprechend vorbereitet war, da ich bis dahin nur einen MTX-6 (Prototyp) zur Verfügung hatte und ich aufgrund des engen Terminplans einfach keine Zeit hatte, ein Regenauto herzurichten.Die Tage, an denen ich zu Hause war, wollte ich natürlich auch mal mit meinem Sohn genießen und habe bereits an einigen Neuigkeiten gearbeitet, von denen ihr bald mehr hören werdet.

Vielen Dank Robert, dass du dir für uns Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft.

{lang: 'de'}
15.10.2014 von admin Zurück

4 Kommentare

  1. Erst heute und dank dem Interview mein lieber Robert habe ich erfahren, dass Du Papa geworden bist. Ich gratuliere herzlich zum Nachwuchs und freue mich sehr für Dich. Wie man sieht kannst ja trotzdem weiterhin sehr schnell ein RC/Car bewegen


    Daniel Reckward



  2. Mir fällt gerade auf, dass Robert in Munster mit der Startnummer 46 unterwegs war. Da konnte ja eigentlich gar nichts schiefgehen… ;-))


    Dieter Fleischer



  3. Daniel, die Angst fährt jetzt immer mit 😉


    Stefan Günther



  4. Stefan, so schlimm ist das nun auch wieder nicht. Schliesslich sitzt Robert nicht selber drin sondern steuert es behutsam aber schnell um den Parcours.


    Daniel Reckward



Hinterlasse einen Kommentar

 

    Fan Page